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Ba Gua Zhang
(Pa Kua Chang) |
| Dong Hau Chuan |
Entstehungsgeschichte
Obwohl es mehrere Theorien zu der Erschaffung des Ba Gua Zhang's gibt, haben neuere ausführliche Studien in China belegt, dass der Stil die Erfindung eines einzelnen Mannes, nämlich Dong Hau Chuan, war. Dong wurde im Wen An Bezirk in der Provinz Hebei um 1813 geboren. Er erlernte den lokalen Kampfkunststil, der stark von offenen Handtechniken geprägt war, und wurde während seiner Jugend ein bekannter Kämpfer.
Als Dong etwa 40 Jahre alt war, verliess er seine Heimat und reiste in den Süden Chinas. Während seiner Reisen wurde er Mitglied von Chuan Zhen ( vollkommene Wahrheit), einer daoistischen Sekte. Die Daoisten dieser Gruppe rezitierten ihre Mantras, während sie im Kreise umhergingen. Sie taten dies, um den Geist zu beruhigen, die Achtsamkeit zu fördern und dadurch zu der Erleuchtung zu gelangen.
Dong kombinierte dieses Kreisgehen (Circle Walking) mit den offenen Handtechniken, die er in seiner Jugend erlernt hatte. Das Ziel war, einen Kampfstil zu entwickeln, der es dem Übenden gestattete, die Techniken einzusetzen und dabei immer in Bewegung zu bleiben. Bis anhin war dies in den chinesischen Kampkünsten nicht üblich.
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Dong Hai Chuan nannte diese Kampfkunst ursprünglich 'Zhuan Zhang' (Drehende Hände, Turning Palm). In späteren Jahren begann er, seine Kunst in Bezug zu den 8 Diagrammen (Ba Gua) zu stellen. |
Die Meisterschüler und ihre Stile
Die Meisten der verschieden Bagua Zhang Stile die heute gelehrt werden, können auf einen oder mehrere Schüler von Dong Hai Chuan zurückgeführt werden. Unter diesen sind drei bekannt dafür, ihre Kunst an viele Schüler weitergegeben zu haben.
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Der berühmteste Schüler von Dong war Yin Fu. Yin lernte länger bei Dong als jeder andere und war zu seiner Zeit einer der berühmtesten Kämpfer des Landes. Er war unter anderem der persönlich Leibwächter der Kaiserwitwe, eine Stellung, der höchste Achtung in China gezollt wurde. Yin Fu war ein Meister des Luo Han Quan, einer nordchinesischen äusseren Kampfkunst, bevor er ein Schüler von Dong wurde. |
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| Fo jia luo han quan |
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Ein weiterer Spitzenschüler von Dong war Cheng Ting Hua, ein Meister des Shuai Jiao, dem chinesischen Ringen. Ting hatte viele Schüler, die ihrerseits wiederum das Erlernte in einer abgeänderten Form weitergaben. |
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Der dritte Schüler, der eine eigene Ba Gua Zhang Variante entwickelte, war Liang Zhen Pu. Liang war Dongs jüngster Schüler und wurde stark von den beiden anderen Schülern Yin und Ting beinflusst. |
Grundlagen des Ba Gua Zhang
Obwohl Ba Gua Zhang zu der Zeit eine neue Kampfkunst war, wurde sie doch noch zu Lebzeiten von Dong im ganzen Land durch ihre Kämpfer bekannt.
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Die Grundlage der verschieden Stile des Bagua Zhang und der Ausübung dieser Stile ist das Kreisgehen (Circle Walk). Die Übenden gehen im Kreis, sowohl während sie verschiedene statische Oberkörperpositionen beibehalten, als auch bei der Übung der "wendenden Hände" (Palm Changes), kurzer Bewegungsabläufe oder Formen. Diese Formen sollen die Körpermechanik verbessern und Methoden von innerer Kraft generieren, welche die Basis der Kampftechniken ist. Siehe auch in der Sektion Videothek |
Alle Stile beinhalten Variationen der Form, die als Single Palm Change (Eine Wendende Hand) bekannt ist. Dies ist die Basistechnik, auf der alle anderen Formen dieser Kampfkunst aufbauen. Ausser Single Palm Change gibt es andere Formen, wie zum Beispiel Double Palm Change oder Eight Palm Change.
Diese Formen sind die Basis des Ba Gua Zhang. Die Bewegungen sind typischerweise zirkulär und der Übende dreht sich um sich selbst und wechselt unvermittelt die Richtung dieser Drehung. Viele Stile beinhalten auch das so genannte Sixty-Four Palms. Diese Form lehrt die Anwendung des Ba Gua Zhang in Kampfsituationen.
Ba Gua Zhang ist eine Kampfkunst, die auf ausweichenden Schritttechniken basiert. Man kann sagen, dass es angewandte Guerillataktik in einem Konflikt zwischen einzelnen Personen ist. Der Ba Gua Kämpfer vertraut seinem strategischen und seinem kämpferischen Können, und nicht seiner Kraft. Er vermeidet die direkte Konfrontation von Kraft gegen Kraft. Durch seine stetigen Bewegungen sucht er die schwache Stelle seiner Gegners und greift diese an.
Zusätzlich zu den oben beschrieben Formen gibt es in den meisten Stilen verschieden Partnerübungen und Formen, die als Brücke zwischen den Soloformen und den freien Kämpfen dienen. Obwohl es eine Vielzahl von Übungen und Formen im Ba Gua gibt, folgen alle dem Prinzip von Beweglichkeit und punktueller Anwendung von Kraft.
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Viele Stile lehren auch den Gebrauch von Standardwaffen, namentlich Schwert, Säbel und Speer. Daneben gibt es aber auch viele exotische Waffen, die nur im Ba Gua Zhang gelehrt werden. |
Die Stilvarianten
Jeder von Dong Hau Chuan's Schülern entwickelte aufgrund seines persönlichen Hintergrunds und seines vorherigen Kampfkunst-Wissens seinen eigenen Ba Gua Stil. Jeder diese Stile hat seine eigenen Formen und Techniken. Natürlich basieren alle Stile auf den gleichen Grundprinzipien, aber alle haben eine ganz eigene Note, hervorgerufen durch die Betonung von speziellen Aspekten. Die meisten heutigen Stile können auf eine der Variationen von Yin Fu, Cheng Ting Hua oder Liang Zhen Pu zurückgeführt werden.
Die Yin Fu Varianten zeichnen sich aus durch eine Vielzahl von gestossenen, erschütternden Techniken und schnellen Schlagtechniken. Von Yin Fu sagte man, er kämpfe wie ein Tiger. Er schleiche sich an, werfe seinen Gegner zu Boden und schlage ihn mit seinen Pranken. Die Yin Fu Formen beinhalten viele explosive Bewegungen und extrem schnelle ausweichende Beintechniken.
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Die Chen Ting Hua Varianten fallen auf durch Palm Changes (Wendende Hände), die weich und flüssig ohne erkennbare Kraft ausgeführt werden. Chen Ting Hua's Bewegungen wurden mit denen eines Drachen verglichen, der durch die Wolken fliegt. Man sagte, dass seine Gegner weggeschleudert wurden, wenn er nur seinen Körper drehte. Bekannte Varianten seines Stils sind zum Beispiel das Gao Yi Sheng System, Dragon Style Ba Gua Zhang, Swimming Body Ba Gua Zhang, das Nine Palace System, der Sun Lu Tang Stil und der wohl bekannteste, der Jiang Rong Qiao Stil. |
| Jiang Rong Qiao (rechts) mit Dong Zi Ying |
Die Liang Zhen Pu Varianten können als Kombination von Yin Fu und Cheng Ting Hua angesehen werden. Bekannt wurde die Liang Zhen Pu Variante durch Li Zi Ming.
Die Grundprinzipien
| Alle diese Stile sind auf den gleichen fundamentalen Prinzipien aufgebaut. Jede Bewegung, Technik, Form oder Strategie, die angewandt oder erschafften wird, muss sich den Prinzipien des jeweiligen Stils unterordnen. Die Prinzipien kommen besonders in zwei Bereichen zum Tragen, nämlich der Körpermechanik, dem Gebrauch des Körpers (Ti), und den Anwendungen (Yung). Die Prinzipien des Stils bestimmen wie Bewegungen ausgeführt werden. So würde zum Beispiel das Prinzip des einen Stils verlangen, dass wenn ein Schlag auf einen Widerstand trifft, die Muskeln angespannt werden müssen, während der andere Stil totale Entspannung des Körpers in allen Phasen eines Schlages vorschreibt. |
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| Genau wie die Prinzipien der Körpermechanik die Methoden der
Bewegung und der Kraftentwicklung diktieren, so bestimmen die Prinzipien der
Anwendung die Techniken und Kampfstrategien des jeweiligen Stils. In der
Entwicklung der Kampfkünste kann immer der gleiche Vorgang beobachtet werden. Ein
Schüler lernt eine oder mehrere Kampfkünste und entdeckt ein neues Prinzip oder
mischt verschiedene Prinzipien in einer noch nie da gewesenen Kombination. Als Resultat
entsteht eine neue Kampfkunst. Neu ist sie nicht, weil der Stilgründer (Soke) ein
paar neue Techniken zu einem bestehenden Stil dazugefügt hat, sondern weil er
die Methoden schuf, die sich dem neu entdeckten Prinzip unterordneten.
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Der Gründer des Ba Gua Zhang, Dong Hai Quan war ein Experte der Nordchinesischen Kampfstile (Long Fist), die viel Wert auf offene Handtechniken legten. Durch seinen Kontakt mit der daostischen Sekte wurde er mit dem meditativen Kreisgehen (Circle Walking) bekannt gemacht. Durch die Kombination von Kreisgehen und den erlernten Kampfstilen erschuf er etwas Neues. Er brachte nicht nur diese beiden Elemente zusammen, nein, er fand zusätzlich das verbindende Prinzip und schuf so einen neuen Kampfstil. |
| Dong Hai Quan nahm nur etablierte Kampfkunstexperten als Schüler an. Der Unterricht war so aufgebaut, um seinen Schülern den Gebrauch der vorher erlernten Kampfkunst unter dem übergeordneten Prinzip des Ba Gua Zhang beizubringen. Weil Dong's Schüler einen sehr unterschiedlichen Kampfkunst-Hintergrund hatten, unterscheiden sich die daraus entstanden Stilvarianten auch erheblich. Ba Gua Zhang ist also auf Grundprinzipien aufgebaut, die jedem Platz lassen für eigene Schöpfungen, solange die Schöpfungen sich mit eben diesen Prinzipien im Einklang befinden. |
Was sind denn nun die Prinzipien des Ba Gua Zhang? Es ist hilfreich die Prinzipien in zwei Gruppen zusammenzufassen. Die erste Gruppe beinhaltet das Thema der Körpermechanik mit der Betonung auf der Fähigkeit, mit dem ganzen Körper als Einheit Kraft zu generieren und anzuwenden, die zweite Gruppe beinhaltet die Prinzipien der Anwendung.
| Körpermechanik |
Das grundlegende Solotraining hat den Zweck dem Übenden Kontrolle über Schwungkraft, Wucht und Timing zu lehren, um es ihm zu ermöglichen, mit seiner ganzen koordinierten Körpermasse Kraft zu erzeugen. In den chinesischen Kampfkünsten wird diese Art von Kraft als Ganzkörperkraft (Zheng Ti Jing) bezeichnet. Ganzkörperkraft ermöglicht es dem Übenden, mit jedem beliebigen Teil des Körpers die Kraft seines ganzen Körpers auf den Gegner einwirken zu lassen. Jedes Körperteil ist mit den anderen dermassen koordiniert, dass die maximale, nur durch Körpergrösse und Gewicht beschränkte Kraft zur Verfügung steht. Diese Art von Kraft wird in allen Kategorien der Ba Gua Zhang Techniken, also schlagen, treten, hebeln und würfen angewandt.
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Um Ganzkörperkraft sowie die leichten, ausweichenden Schritttechniken im Ba Gua Zhang zu entwickeln, bestehen alle Stilvarianten auf totaler körperlicher Entspannung, korrekter Ausrichtung des Skeletts, Harmonie mit den natürlichen angeborenen Reflexen und, ganz wichtig, auf dem Prinzip, dass alle Bewegungen bewusst durch den Geist geführt werden. |
Kampfstrategie
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Es ist die Kampfstrategie, die Ba Gua Zhang so von den anderen Kampfkünsten unterscheidet. Im Grunde vertritt das Ba Gua Zhang die Politik der totalen Verweigerung, Kraft mit Kraft zu begegnen. Der Kämpfer wird immer versuchen sich aus der Kraftlinie des Gegners herauszuhalten, dessen Angriffe und Gegenangriffe zu umlaufen und ihn in dessen ungünstigsten Positionen anzugreifen. Diese Strategie erlaubt es auch kleineren, schwächeren Kämpfern, einen Gegner auszuschalten. |
Um die beste Position zu erreichen wird der Ba Gua Zhang Kämpfer die Grundstrategien aus der Soloform anwenden, also um den Gegner herumlaufen oder sich auf der Stelle drehen und den Gegner um sich herumlaufen lassen. Das Resultat ist in beiden Fällen das Gleiche. Der Kämpfer vermeidet eine direkte Konfrontation mit der Kraft des Gegners und sichert sich eine optimale Position für einen Angriff. Ziel ist auch, den Gegner zu desorientieren, sein Gleichgewicht zu schwächen und sein Timing zu sabotieren. Durch die entspannte Haltung des Kämpfers kann dieser sich schnell auf neue Situationen einstellen und plötzliche Gelegenheiten ausnützen. Für einen Gegner, der die Ba Gua Zhang Techniken nicht kennt, ist so ein Gegner sehr unberechenbar.
Eine alternative ketzerische Entstehungsgeschichte des Ba Gua Zhang
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In Kampfkunstkreisen ausserhalb der Ba Gua Zhang Gemeinde
wird noch folgende Variante zum Besten gegeben: In der Zeit als Dong den
Stil entwickelte, waren mehrere spanische und portugiesische Jesuiten am
Kaiserpalast akkreditiert. Diese sollen eine spanische Schwertkunst mit dem
Namen 'la destreza' ( die Geschicklichkeit) am Hofe geübt haben. La
destreza wurde um 1500 in Spanien entwickelt und war um 1700 in ganz Europa
bekannt. Der Stil unterscheidet sich vom modernen Fechten dadurch, dass die
Kämpfer nicht in einer Linie angriffen, sondern sich umkreisten. Die
Fechthallen wurden mit Stricken bespannt um den Übenden zur richtigen
Beintechnik zu führen. Der Stand der Fechter war relativ aufrecht. Die
Beintechnik erlaubte den Kämpfern abrupte Richtungswechsel. Dem Stil wurde
nachgesagt, dass er auf esoterischen, kabalistischen Prinzipien aufgebaut
war. Ist es möglich, dass Dong Hau Chuan sich von den Jesuiten inspirieren liess? Mehr Informationen über diesen Stil in der Sektion Bibliothek |
Die meisten Informationen stammen aus Tim Cartmell's Website
www.shenwu.com
Folgende Schulen und Organisationen haben Ba Gua Zhang theoretisch im Programm.
| www.skema.ch | Wing Chun Kung Fu Organisation, bietet auch Ba Gua Zhang Kurse an. |
| www.tai-chi.ch | Tai Chi Schule in Bern |
| www.wutan.ch | Tai Chi und Shaolin Kung Fu Schule in Bern |
| www.wushu-center.ch | Tai Chi und Wushu Schule in Kloten |
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| Huang Bonian |
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Wang Shujin |
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Cheng Ting Hua