Xingyi Quan, auch bekannt al Yi Quan, Xin-yi Quan, oder Xin-yi Liuhe Quan, ist die älteste innerere chinesische Kampfkunst. Die aggressive Natur dieses Stils kann in 8 Worten beschrieben werden:
Dieser Stil wurde auf dem Schlachtfeld geboren und ist nichts für strickende Sozialarbeiter.
Xing bedeutet Form
Yi bedeutet Geist oder Willen
Quan bedeutet Faust, also die Kunst des waffenlosen Kampfes
Daher bedeutet Xing Yi Quan: Form und Geist Boxen, oder Form und Willen Boxen.
Der Name zeigt deutlich, dass bei diesem System die Bewegungen des Körpers dem
Willen untergeordnet sind. Die zugrundeliegende Annahme des Xing Yi Quan ist,
dass die Bewegungen des Körpers d.h. die Form eine Manifestation des Geisteszustands
sind.
Der Stil war ursprünglich unter dem Namen Xin Yi Liu He Quan
(Herz-Bewusstsein-6 Harmonien-Boxen) bekannt.
Die 6 Harmonien beziehen sich auf
die 3 inneren Harmonien :
und die 3 äusseren Harmonien:
Der innere Prozesse harmonisieren und koordinieren die äusseren Bewegungen und bringen so den Übenden dazu, sich als Ganzes zu erfahren. Diese Einheit zwischen Denken und Tun setzt ungeahnte Energien frei.
Die frühesten zuverlässigen historischen Hinweise, die wir von Xing Yi Chuan
haben, beziehen sich auf Ji Long Feng (auch unter dem Namen Ji Ji Ke bekannt)
aus der Shan Xi Provinz . Er soll als erster Xing Yi Liu He Quan
unterrichtet haben. Ji Long Fen war gegen Ende der Ming Dynastie (frühes
17. Jahrhundert) tätig. Er war ein Meister des Speerkampfes ( der chinesische
Speer sieht aus wie ein gut schweizerische Hellebarde) und hatte den Ruf, eine
göttliche Gabe mit dem Speer zu besitzen. Er soll gesagt haben:
"Ich habe mich in gewalttätigen Zeiten mit meinem Speer verteidigt. Nun
da wir in Frieden leben und unsere Waffen zerstört wurden, wie soll ich mich
bei einem unerwarteten Überfall verteidigen? "
Als Antwort auf seine Frage schuf Ji Long Feng ein System waffenloser
Kampfkunst, das auf seinem Wissen um den Speerkampf gründete. Er nannte dieses
System Liu He, oder die 6 Harmonien.
Ji Long Feng hatte 2 sehr berühmte Schüler. Der Eine war Cao Ji Wu aus He Bei,
der Andere Ma Yue Li aus He Nan. Es war zu dieser Zeit, dass sich Xin Yi Liu He
Quan nun auch bekannt als Xin (Herz) oder Xing (Form) Yi Quan sich in 3
eigenständige und doch verwandte Stile teilte. Es sind dies die Shan Xi, die He
Nan und die He Bei Schulen.
Nachdem Cao Ji Wu 12 Jahre unter Ji Long Feng Xin Yi lernte, meldete er sich
bei der Kaiserlichen Kampfkunst Prüfung an. Diese Prüfung zog die besten
Kämpfer in ganz China an. Cao belegte den ersten Platz.. Für einen Kämpfer
war dies die höchste Auszeichnung die er im Kaiserlichen China erwerben konnte
und sicherte ihm eine hohe Stellung im Militär. Durch diesen Sieg wurde Xin Yi
Quan plötzlich im ganzen Land bekannt.
Cao lehrte die beiden berühmten Brüder Dai Long Bang und Dai Lin Bang. Dai Long Bang entwickelte den Stil weiter. Die klassischen Schriften des Stils werden ihm zugeschrieben. Dai Long Bang hingegen überlieferte die Kunst dem berühmtesten Vertreter dieses Stils; Li Luo Neng (auch Li Neng Ran) mit dem Übernahmen Göttliche Faust Li. In der Geschichte des Xing Yi gilt Li Luo Neng als der beste Boxer des Stils. Er war einer der besten chinesischen Boxer aller Zeiten. Er lehrte seine Kunst in seiner Heimatprovinz Shan Xi. Da er in seiner Tätigkeit als Leibwächter oft in der He Bei Provinz unterwegs war, hatte er auch da viele Schüler.
Zwei von Li's berühmtesten Shan Xi Schülern waren Sung Shi Pong und Che Ti Zhai. Li's berühmtester He Bei Schüler war der bekannte Guo Yun Shen, der alle Herausforderer mit seinem Quan, einem geraden Boxhieb fällte. Der Geschichte nach, lief Guo täglich mehrere Kilometer zu seinem Training und übte auf dem Weg den Beng Quan mit jedem Schritt. Nachdem Guo einen Herausforderer getötet hatte, wurde er zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Guo Yun Shen lehrte wiederum Wang Fu Yuan, Liu Chi Lan, Sun Lu Tang und andere.
Der Stil
Xing Yi Quan ist in 2 Hauptsysteme unterteilt:
Zehn Tiere
Das 'zehn Tiere' System ist dem ursprünglichen Xin Yi Liu He Quan am Ähnlichsten. Die Bewegungen sind dem Geist folgender Tiere nachempfunden:
Fünf Elemente
Das fünf Elemente System ist wiederum in den He Bei und den Shan Xi Stil unterteilt. Die Systeme dieses Stils haben folgende Grundtechniken:
Diese fünf Elemente sind die Grundschule des Stils. Die zugrundeliegende Energie dieser fünf Elemente werden erweitert um die 12 Tiere-Form. Diese enthalten Variationen der Tiere des 'Zehn Tiere' Stils und 2 zusätzlich Tiere, nämlich den Tai (ein mythologischer Vogel) und den Tuo (eine Art Libelle).
Training
Das Training in allen Stilen des Xing Yi fusst auf Wiederholungen einzelner Bewegungen. Wenn diese beherrscht werden, werden sie zu Formen verbunden.
Die Richtung der Bewegungen ist vorherrschend die gerade Linie. Die Übenden
laufen hochkonzentriert durch die Form. Das ganze Sein ist im jetzt und hier
fokussiert. Die Hände, Füsse und der Rumpf kommen gleichzeitig zum Ziel. Die
Nase, Führungshand und Führungsfuss sind auf einer Linie ausgerichtet (San
Xiang Jiao). Die Arme sind vor dem Körper. Der Übende richtet seine
Zentrallinie auf diejenige des Gegners aus. Ein Leitspruch des Xin Yi Quan's
ist:
Die Hände bleiben in der Herzgegend und die Ellbogen verlassen nie die
Rippen
Der Stil kennt nur wenige Kicks und diese werden vorwiegend als Schock-Techniken eingesetzt. Diese werden angewandt, um den Gegner abzulenken. Grosse Aufmerksamkeit wird in die Fähigkeit gelegt, den Körper soweit zu bringen, dass er seine ganze Kraft explosionsartig freizusetzen kann.
Strategie
Die Schläge sind nicht auf eine bestimmte Körperpartie gerichtet, sondern suchen durch die Zentrallinie die grösstmögliche Masse des Gegners. Dies ermöglicht maximale Energieübertragung, die den Gegner vernichten soll. Der Stil kennt keine Hebe- und Hüft-Hebetechniken wie das Ringen, sondern beschränkt sich auf knochenbrechende Hebel und sehnenzerreissende Techniken. Der Kampf soll in kürzester Zeit vorbei sein. Diese Maxime kommt vom Schlachtfeld, denn je länger man sich mit einem Gegner befassen muss, desto grösser wird die Gefahr von einem Dritten angegriffen zu werden. Die Techniken sind auf dem Prinzip des fortwährenden Angriffs aufgebaut. Verteidigung ist immer auch gleichzeitig ein Angriff. Es gibt kein Block - Attack wie zum Beispiel im Karate. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf die Verfolgung des zurückweichenden Gegners gelegt (Jin Tui Lian). Der Kämpfer wird normalerweise folgenden Ablauf herbeiführen:
Der Kämpfer wird sich nicht auf einen Bodenkampf einlassen, obwohl der Stil einige Techniken kennt (Boden-Drachen-Methode)
Elemente und Tiere
Basierend auf der Energie des fünf Elemente Boxens, besitzt jede der 12 Tierformen eigene Varianten und Strategien. Diese wurden dem Charakter der jeweiligen Tiere im Kampf abgeschaut. Obwohl zum Beispiel die Tigerform und die Affenform Variationen der 'Spaltenden Faust' ( Splitting Fist, Pi Quan) sind, zeigen sich Techniken und Strategien sehr unterschiedlich. Die spaltende Energie des Tigers zeigt sich in einem mutigen, direkten Voranschreiten des Kämpfers, diejenige des Affen mit schnellen Handschlägen, die den Gegner aus unerwarteten Richtungen treffen. Der Affe ist ein schlaues Tier und vermeidet eine direkte Konfrontation und greift lieber überraschend auf unerwartete Weise an. Obwohl die Xing Yi Quan Kämpfer alle Tiersysteme beherrschen, werden sie sich doch zu einer bestimmten Tiergruppe hingezogen fühlen. Das hat mit dem Charakter und Körperbau des Übenden zu tun. Zum Beispiel werden sich klein gewachsene, flinke Kämpfer eher den Techniken des Affen, Schwalbe oder Huhn zuwenden, die gross gewachsenen starken hingegen dem Tiger, Adler oder Bär. Wichtig ist noch zu wissen, dass die Techniken jeder Tierform auch mit dem Charakter eines einzelnen Tiers ausgeführt werden können.
ungekürzter Text in Englisch www.shenwu.com
Eine weitere ausgezeichnete Website in englisch: www.emptyflower.com
Schulen
Man unterscheidet 3 Stile :
- Hebei Xingyi quan
- Shanxi Daijia Xinyi quan
- Xinyi Liuhe quan, wird von chinesischen Moslems praktiziert
Folgende Schulen und Organisationen haben Xingyi Quan theoretisch im Programm.
| Die Schule von Wu Xiaoqun in Dübendorf | http://www.wushu-center.ch/ |
| Die Schule von Stefan Marcec in Zürich-Oerlikon | www.pammachon.ch |
| Die Schule von John Lash in Bern | www.tai-chi.ch |
| Tai Chi und Shaolin Kung Fu Schule in Bern | www.wutan.ch |
Bilder:
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| Wang Jiwu an | Dong Zi Ying | Dong Zi Ying | |
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| Chu Gui Ting | Chen Panling (aka Chen Jun Feng) | ||
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| Wang Shu Jin (aka Wang Heng Sun) |