Es gibt im Qigong über 1000 verschiedene Übungsarten oder Stile. Hier sind viele dieser Stile aufgeführt, unterteilt nach kurzen Übungen, längeren Übungsreihen, Qigong-Gehen und Stilles Qigong
Das 5 Organe-Qigong wirkt vorbeugend und heilend auf die Funktionen von
Lunge, Niere, Leber, Herz und Milz ein. Die "5 Organe-Übungen" werden
mit einer eröffnenden Übung, die in die innere Ruhe führt und mit einer
Übung zur Stärkung der Gelenke eingeleitet, und mit einer Übung, die die
Energie harmonisiert, abgeschlossen. Eine ausgewogene, moderne Übungsreihe mit
viel Wirkung.
Der Zyklus stammt aus einem daoistischen Kloster auf dem Wutai-Berg in Südchina und ist beschrieben in Josefine Zöllers Buch "Das Tao der Selbstheilung", München 1984. Der Zyklus ist harmonisch aufgebaut, alles hält sich die Waage: Bewegung und Ruhe, Himmel und Erde, wie alle Weltrichtungen und ihre diagonalen Verbindungen. Das außergewöhnliche Gefäß Daimai (Gürtelgefäß) und der Shanzhong, das Gebiet um die Brustmitte, haben eine besondere Bedeutung in diesem Zyklus. Shanzhong ist der Ausgangs- und Abschlußpunkt der ersten, der mittleren und der letzten Übung; vier der anderen Übungen beginnen am Daimai oder thematisieren ihn. Alles entwickelt sich auf die zentrale Übung "Die Lotosblüte öffnet sich" hin, in der die Aufgabe des Menschen am deutlichsten hervortritt. Vielleicht steht darum in Josefine Zöllers Buch der folgende Satz als einziger Kommentar zu diesem Zyklus: "Wenn das Qi frei und üppig kreist, dann werden im Schnee die Blumen blühen."
Der Ursprung der 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong nach Jiao Guorui kann bis in die Tang-Zeit (618-907 n. Chr.) zurückverfolgt werden und gründet sich auf die 13 Ausdrucksformen der Taiji-Pfahlübungen des Daoisten Xu Xuan Ping. Betrachtet man die Übungselemente, so gehören sie eher zu den Kampfkünsten, ihre Ausführung macht sie jedoch klar zu einer Methode der Lebenspflege (Yangsheng). Die Übungsfolge reguliert den gesamten Organismus und wird üblicherweise im Stehen ausgeführt, kann aber leicht an die Ausführung im Sitzen angepaßt werden. Die Übungen sind einfach und schwer zugleich. Einfach weil sie äußerlich unkompliziert sind und einfachen Prinzipien folgen. Schwer, da sich die Wirkung erst durch das Beachten dieser Prinzipien ergeben kann, das Verständnis sich aber erst entwickeln muß.
Unter dem Titel Liangong Shibafa (Achtzehnfache Methode der Übung) wurden die Übungen im Jahre 1981 in der Volksrepublik China vom Arzt Zhuang Yuanming (Schanghai) vorgestellt. Basierend auf den Erfahrungen und Angaben des Altmeisters Wang Ziping wurden sie nach "modernen" Gesichtspunkten zusammengestellt. Die Methode wird zur "Erhaltung der Volksgesundheit" offiziell empfohlen. Sie beinhaltet 6 Übungsgruppen: Übungen bei Erkrankungen von 1. Nacken und Schultern, 2. Kreuz und Rücken, 3. Gesäß, Hüften und Beinen; 4. Übungen zur Behandlung der Gelenke und Extremitäten sowie 5. Hände und Arme leiten das Qi und 6. Übungen bei Funktionsstörungen der inneren Organe. Bei Vertrautheit der Bewegung richtet man seine Aufmerksamkeit auf das Dantian und den Qi-Fluß in den Leitbahnen. Diese Übungsmethode ist beschrieben in Josephine Zöllers Buch "Das Tao der Selbstheilung".
Die 18 Taiji Qigong Übungen wurden in neuerer Zeit von Prof. Lin Housheng aus Übungen des Taijiquan und typischen Qigong-Übungen zusammengestellt. Dabei fanden medizinische Gesichtspunkte starke Beachtung. Die weich fließenden Bewegungsübungen sind relativ leicht zu erlernen und eignen sich daher gut für den Anfänger-Unterricht. Sie werden von bildhaften Vorstellungen begleitet. Zur medizinischen Anwendung können auch einzelne Übungen herausgenommen werden. Die Methode wird auch in Kliniken angewendet.
Die 8 Brokate sind eine seit dem Altertum bekannte Methode; folglich hat sich bis heute eine Vielzahl an Übungsstilen herausgebildet. Die Namensgebung bringt zum Ausdruck, für wie wertvoll diese Übungen erachtet werden (kostbarer Seidenstoff). Da diese Übungsform im Stehen und im Sitzen unterschiedlich praktiziert wird, läßt sie sich besonders gut an verschiedene Bedürfnisse anpassen: Die 8 Brokate im Stehen legen durch ihre kraftvollen Körperhaltungen größeren Wert auf die Kultivierung des Körpers, während bei den 8 Brokaten im Sitzen die inneren Übungen den Schwerpunkt bilden.
Chan Mi Qigong ist ein tibetisch-buddhistisches Qigong. Es entstand vor etwa 5 bis 6000 Jahren im Himalaya und besteht aus einer Grundform, den sog. Basisübungen und einer ganzen Reihe von Aufbauformen. Das Wort Chan bedeutet Zen und Mi steht für geheim. Chan Mi Qigong kann also mit "Geheimes Zen-Qigong" übersetzt werden. Chan Mi Qigong unterscheidet sich von vielen anderen Qigong-Formen hauptsächlich in folgenden Punkten: Es werden kontinuierlich die Wirbelsäule und alle Gelenke sanft und schlangenartig bewegt. Das kann zu einer verstärkten Beweglichkeit und Geschmeidigkeit führen. Es können Rücken-, Kopf oder Rheumaschmerzen, emotionale Blockaden, Beschwerden der Sinnesorgane, des Magen-Darm-Traktes und andere chronische Krankheiten gelindert und geheilt werden. Die Fußspitzen werden bei der Ausführung leicht nach außen gestellt, der geheime Bereich "Michu", in dessen Zentrum das Huiyin im Dammbereich ist, sowie das 3. Auge werden entspannt und geöffnet. Es wird nicht mit Leitbahnen, den Meridianen, gearbeitet. Der buddhistischen Tradition entsprechend gibt es Mantren, Mudras und Visualisierungen bei den Übungen.
Dan Gong ist eine spontane Form des Qigong. Diese Übungsreihe wurde an der Xi-Xuan-Klinik in Peking gelehrt. Sie setzt sich aus einer Folge traditioneller Übungen zusammen. Abwechselnd zwischen Stand- und Bewegungsteilen beinhaltet sie Elemente aus der TCM und der Vorstellungswelt der chinesischen Philosophie. Diese Vorstellungsübungen lassen sich gut auf die westliche Kultur übertragen und für die Stärkung der eigenen Gesundheitspotenziale nutzen. Die leicht erlernbaren Bewegungen sind Voraussetzung für die Kontrolle von sinnlicher Wahrnehmung und zentrierter Haltung. Aus individuell gestalteten Übungsteilen erwachsen aus Stille und Entspannung kreative Bewegungen und Vorstellungen. Das menschliche Denken steht im Mittelpunkt. Gedanken und Bewegungen bilden wie fließendes Wasser eine Einheit. Indem Innen und Außen harmonisiert werden, hilft das spontane Qigong.
Das Daoyin Yangsheng Gong ist ein umfangreiches Übungssystem des Gesundheits-Qigong, das seit 30 Jahren von Prof. Zhang Guangde entwickelt wird. Sein Ziel ist, das Meridiansystem zu harmonisieren, wodurch es präventiv und therapeutisch eingesetzt werden kann. Alle dazugehörigen Methoden sind ganzheitlich konzipiert, wirken jedoch jeweils stärker in einer besonderen Richtung.
Grundstufe: Die 4 Regulationsmethoden für Körper, Atmung, Geist und für Blut & Qi, Baduanjin, die 39 Massagen für die ewige Jugend
Mittelstufe: Herz-, Magen-Milz-, Lunge-, Niere-, Muskel-Knochen-, das gesundheitsschützende Qigong und die 49 Bewegungen des Leitbahnen-Qigong; ergänzende Methoden im Sitzen: Leber-Gallenblase-, Leber, Bewegungen gegen den Stress und Gesundheitsschützendes Qigong
Fortgeschrittene: Taiji der leeren Hand und Taiji Schwert
Die Übungen werden jeweils von einer spezifischen Musik begleitet, die den Takt vorgibt und die für die betroffenen Organfunktionen angemessene Übegeschwindigkeit regelt.
Das Spiel der 5 Tiere ist eines der ältesten Übungssysteme, über das es Aufzeichnungen gibt und bezieht sich auf den berühmten Arzt Hua Tuo. Im Spiel der 5 Tiere geht es darum, die Wesensmerkmale des Tieres nachzuahmen, quasi in seine Haut zu steigen und sich dadurch die Eigenschaften des Tieres auszuleihen. Darüber hinaus wird aber auch der Symbolkraft des Tieres Ausdruck verliehen. Wir sind Teilnehmer und bleiben gleichzeitig bewußte Beobachter des Spiels. Jedes Tierbild besteht aus 5 aufeinander aufbauenden Übungen, die in Fortbewegung ausgeführt werden. Die jeweils erste Übung führt uns mehr in den allgemeinen Charakter des Tieres ein, die späteren Übungen nutzen die Besonderheiten. Jedes Tierspiel ist einer Wandlungsphase nach der TCM zugeordnet.
Vom geführten Spiel der 5 Tiere unterscheidet sich das "Spontane Spiel der 5 Tiere", eine besonders wertvolle Übung des Zifa Gong.
Fan Huan Gong geht der Überlieferung nach zurück bis in die "Östliche Han-Dynastie" (25-22O n. Chr.). Die Übungsreihe besteht aus 8 bewegten Übungen und einem stillen Teil im Sitzen. Fan Huan bedeutet: "Zum Ursprung zurückkehren, zur Quelle zurückkommen" oder auch "Rückkehr zur Jugend". Die Übungsreihe gehört zur "Schule der Vollkommenen Wahrheit", die eine sehr reine Form des Daoismus vertritt und starke Anklänge an den Chan-Buddhismus hat. Die Übungen waren über lange Zeit vollkommen geheim und wurden bis in unsere Zeit in China nur "von Herz zu Herz" weitergegeben. Prof. Cong Yongchun hat uns diese Form nach Europa gebracht und uns mit diesen sog. "Dan-Übungen" eine besonders wirkungsvolle Methode geschenkt.
Das Fan Teng Gong ist ein sehr altes buddhistisch-daoistisches Qigong, das traditionell zur Krankheitsvorbeugung und begleitenden Behandlung von schweren Krankheiten - z. B. Krebs - praktiziert wird. Es ist eine Art Steh-Meditation, ein stilles Qigong ohne Aufmerksamkeitsführung. Der Energiefluß entsteht, indem man seine Handinnenflächen nacheinander auf verschiedene Qi-Zentren richtet. Dadurch wird das Energiesystem des Körpers gereinigt, die Meridiane werden durchlässig und neue Energie kann aufgenommen werden. Das Übungssystem besteht aus Hauptübungen, Reinigungsübungen, Übungen zur Energieaufnahme und einer Meditation im Sitzen.
Das Kranich-Qigong ist eine der verbreitetsten und populärsten längeren Übungsreihen, die Ende der Siebziger Jahre von dem Qigong-Meister Zhao Jin Xiang und dem Arzt Pang Heming ins Leben gerufen wurde. Der Kranich hat in der ostasiatischen Mythologie und Volkskunst wunderbare Eigenschaften. Er ist eines der Symbole für langes Leben und wird oft als Begleiter der acht daoistischen Unsterblichen dargestellt. In den fünf aufeinander aufgebauten Übungsfolgen werden die majestätisch-anmutigen, tänzerisch-fließenden, ruhig-meditativen Bewegungen des Kranichs imitiert. Danach folgt die vom Qi geleitete Selbstbewegungsform (Zifagong), eine kraftvolle Selbstheilungsmethode.
Das Meridian-Qigong ist eine Übungsreihe, die in besonderer Weise Bewegung und Ruhe verbindet. Im Vorbereitungsteil wird der Körper harmonisiert und es wird Qi zur Verfügung gestellt. Im speziellen Teil gibt es für jeden Meridian eine einfache Bewegung, in der der Verlauf der Energieleitbahn gespürt und wahrgenommen werden kann. In der anschließenden Ruhe fließt das Qi und kann vom Übenden mit der Wahrnehmung begleitet werden. Es eignet sich hervorragend zum Studium der TCM (Meridianlehre) und zum therapeutischen Qigong. Wir unterrichten die Methode in der von Cong Lin nach Europa gebrachten Form.
Das Neiyang Gong ist ein seit ca. 50 Jahren in der staatlichen Qigong-Klinik Beidaihe (Gründer Liu Guizhen) klinisch erprobtes Modell zur medizinischen Anwendung von Qigong. Es dient der Prävention und Behandlung chronischer Krankheiten und von Wirbelsäulenproblemen.
Das Neiyang Gong besteht aus stillen und bewegten Formen und wurde von Liu Guizhen zu therapeutischen Zwecken aus traditionellen Qigong-Übungen der Ming-Zeit weiterentwickelt. Es zeichnet sich durch spezielle Atemtechniken aus. Eine weitere Besonderheit liegt in der intensiven Bewegung der Wirbelsäule.
Das Shaolin Qigong geht auf Übungspraktiken der Shaolin-Mönche zurück, die mit ihren Methoden die innere Ruhe finden wollten, um ihren Geist zu klären und ihren Körper zu stärken. Bei dem angebotenen Shaolin Qigong handelt es sich um zwei Übungsreihen, die ähnlich der 8 Brokate im Stehen ausgeführt werden. Durch die Übungen werden die Meridiane geöffnet und aktiviert und durch das Dehnen des Körpers werden die Sehnen und Muskeln gestärkt. Dadurch kann der Energiefluss aktiviert werden.
Die Übungsreihe Tjuk Tan San, auch Wolkenhände genannt, ist erst seit einigen Jahren im Westen bekannt. Sie besteht aus mehreren Teilen.
Besonders im ersten Teil fallen die runden harmonischen Bewegungen auf, die den Übenden sehr schnell in eine tiefe Harmonie führen. Arme und Hände schweben wie Wolken (daher der Name Wolkenhände) und sammeln Qi, begleiten es durch das untere und mittlere Dantian, um zunächst die Grundlage zu stärken, die Dantian zu füllen und "Feuer und Wasser" in Ausgleich zu bringen. Während eine Hand das Qi innen und außen zum Fließen bringt, schützt die andere Hand durch das Bilden des Ringes vor Dantian. Wenn die "drei Schätze" in reichem Maß vorhanden sind, können alle Organe genährt und in Einklang gebracht werden.
In einem zweiten Teil der Reihe wird besonders die "Mitte" harmonisiert.
Ein dritter Teil regt vor allem die "Niere" an, öffnet den Mingmen und hilft, dass das Qi die Pässe überwinden kann. Wenn alles in Fülle harmonisch vorhanden ist, kann in einer abschließenden Bewegung der Mensch aufgespannt stehen und sich in alle Richtungen ausbreiten, Himmel und Erde verbinden.
Das Dayan-Qigong wurde in der Kunlun-Schule des Daoismus entwickelt und ahmt die Haltungen und Bewegungen der Wildgans nach. 64 leicht erlernbare Teile bilden eine fortlaufende bewegungsintensive Sequenz, die sich durch Dynamik und Konzentration auszeichnet und auch einen "Spaß-Faktor" beinhaltet. Neben der förderlichen Wirkung auf den Kreislauf dient Dayan-Qigong der körperlichen und geistigen Erholung. Eine Analyse unter Meridiangesichtspunkten ist möglich. Es gibt einen zweiten Teil mit weiteren 64 Bewegungen. Dann dauert die Abfolge rund 15 Minuten.
Auszug aus der ausgezeichneten Site der deutschen Qigong-Gesellschaft
http://www.qigong-gesellschaft.de/